Volker David Kirchner
Mandala – 14 Veränderungen einer Schönberg'schen Klanggestalt
Volker David Kirchner stammt aus einer Familie mit langer musikalischer Tradition. Er studierte von 1956 bis 1959 bei Günter Kehr (Violine) und Günter Raphael (Komposition) am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz und an der Musikhochschule Köln, wo er auch Meisterkurse bei Bernd Alois Zimmermann absolvierte. Als Solo-Bratscher war er beim Rheinischen Kammerorchester Köln und – nach weiteren Studien bei Tibor Varga in Detmold – beim Frankfurter Radio-Sinfonie-Orchester engagiert.
Als Bratscher im Kehr-Trio unternahm er Konzertreisen nach Südamerika, Nordafrika und in den Vorderen Orient und beschäftigte sich intensiv mit außereuropäischer Musik. Parallel zu seinem Wirken als Orchestermusiker gründete er 1970 in Wiesbaden das Ensemble 70 und arbeitete ab 1972 als Komponist für Bühnenmusik am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden.
Kirchners Werk umfasst alle Gattungen; neben zahlreichen Kompositionen für das Musiktheater vor allem Kammermusik und Orchesterwerke. Seine Oper „Gilgamesh“, ein Auftragswerk der Niedersächsischen Staatsoper Hannover, wurde im Mai 2000 zur Eröffnung der EXPO uraufgeführt.
Volker David Kirchner wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, u.a. 1974 mit dem Preis des Landes Rheinland-Pfalz für Junge Komponisten (für seine erste Oper „Die Trauung“), dem Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz (1977), der Gutenberg-Plakette der Stadt Mainz (1992) und dem Musikpreis des Rheingau Musik Festivals (Erster Preisträger, 1994). Im Jahr 1992 berief ihn die Stiftung Villa Musica, Mainz, in ihren künstlerischen Beirat.
Den Klavierzyklus „Mandala“ schrieb Kirchner für die Pianistin Susanne Duch. Zugleich entstand eine kammermusikalische Fassung für 12 Instrumente als Auftragswerk für die Villa Musica.Der Untertitel „14 Veränderungen einer Schönberg’schen Klanggestalt“ erklärt Form und Sinn des Werkes. Ihm liegt eine fünftönige Gestalt zugrunde, die auf Arnold Schönberg zurückgeht: die Tonfolge F-D-F-ES-H. Kirchner hat sie „14 Veränderungen“ unterzogen, die er nicht „Variationen“ nennen wollte, „da es hier nicht nur um Veränderungen des Rhythmus oder der Harmonik geht, sondern vor allem um solche der Atmosphäre. Das Ausgangsmaterial bleibt durch das ganze Stück im Kern unverändert, wird gewissermaßen nur wechselnd beleuchtet. Dabei spielen auch Elemente der Schönberg’schen Harmonik eine Rolle wie sein Lieblingsakkord aus Tritonus und Quint. Ursprünglich wollte ich das Stück ‚1909’ nennen, nach jenem Schicksalsjahr der Moderne, in dem sich die Wege von Mahler und Schönberg trennten.
Mit der Entscheidung zugunsten eines strengen Systems hat sich Schönberg selbst, wie ich finde, Möglichkeiten zu größter Farbigkeit genommen. Der neue Titel ‚Mandala’ weist darauf hin, dass es mir um eine freie Variation ging: ein Kreisen um das Material, das auch eine Veränderung des Inhalts mit sich bringt. Die 14. Veränderung ist eine Art Epilog, in dem das Material in eine neue melodische Gestalt überführt wird.“
Dr. Karl Böhmer
