Dokumentation:
Robert Schumann (1810-1856)
Fast Jurist, dann Komponist
Robert Schumann wurde als jüngstes Kind des Ehepaares August Schumann und Johanna Christiane Schumann geboren. Von der Mutter ist nur wenig überliefert. Sie muß eine Frau mit großer Gemütswärme, verbunden mit einem ausgeprägten Sinn fürs Praktische gewesen sein. Der Vater stammte aus einem ländlichen Pfarrhaus, das ihm allerdings kein ordentliches Studium ermöglichen konnte. Immerhin machte er die Lateinschule durch, wurde kaufmännischer Lehrling, später Buchhändlergehilfe. Nach und nach schaffte er es, aus einer Leihbibliothek eine Buchhandlung und schließlich ein ganzes Verlagsunternehmen heranwachsen zulassen. Bald hatte er sich als Buchhändler, Schriftsteller, Verleger, Übersetzer und Herausgeber einen geachteten Namen in Zwickau gemacht.
Vorausblickend eröffnete er Robert die Möglichkeit bester Schulbildung. Im Gegensatz zu Clara, die nur eineinhalb Jahre lang die Schule besucht hat, ging Robert zunächst in eine Privatschule, danach in das städtische Gymnasium, wo sein Fleiß und seine Geistesgaben hoch gelobt wurden. Da er schon früh viel musikalisches Talent zeigte, bekam er Klavierunterricht. Bald hatte Robert alles gelernt, was sein Lehrer ihm beibringen konnte und bildete sich auf eigene Faust weiter. Er komponierte Klavierstücke und Lieder, dirigierte, improvisierte und unterhielt damit die Familie und Freunde. Allerdings dachte keiner daran, daß Robert daraus einmal einen Beruf machen würde, zumal er selbst sich vielmehr der Schriftstellerei, vornehmlich den Werken Jean Pauls verbunden fühlte.
Ein Kampf zwischen Musik und Jus
Als Robert 16 war, starb sein Vater, der den künstlerischen Sinn
seines Sohnes am besten verstanden hatte. Bald nach seinem Abitur zog
Robert nach Leipzig, wo er sich zum Jurastudium einschrieb. Dort widmete
er sich allerdings mehr seiner musikalischen Weiterbildung als dem
Studium. Im Hause eines musikbeflissenen Arztes lernte er bei einer
musikalischen Soirée Friedrich Wieck kennen, und hörte
zum erstenmal Clara. Beeindruckt von ihrer Musikalität und meisterhaften
Technik bat er spontan Wieck um Klavierstunden.
Nach zwei Semestern überzeugte Robert seine Mutter, daß
er von seinem Studium in Heidelberg mehr profitiere als in Leipzig.
Doch auch dort beschäftigte er sich mehr mit der Kunst als der
Jurisprudenz. Schließlich entschloß er sich, der Mutter
seinen Entschluß mitzuteilen: Mein ganzes Leben war ein
zwanzigjähriger Kampf zwischen Poesie und Prosa, oder nenn es
Musik und Jus... In Leipzig hab' ich unbekümmert um einen Lebensplan
so hingelebt, geträumt und geschlendert und im Grunde nichts Rechtes
zusammengebracht; hier habe ich mehr gearbeitet, aber dort und hier
immer innig und inniger an der Kunst gehangen. ... Folg' ich meinem
Genius, so weist er mich zur Kunst, und ich glaube zum rechten Weg.
Aber eigentlich ... war mir's immer, als verträtest Du mir den
Weg dazu...
Wieck ergreift die große Chance
Christina Schumann war niedergeschmettert. Nach all den Jahren finanzieller Unterstützung wollte Robert nun eine zweite Ausbildung beginnen. Sie traute seiner Begeisterung nicht das nötige Durchhaltevermögen zu und fragte in ihrer Not Friedrich Wieck um Rat. Beinahe drei Jahre hat er nun studirt und viel, sehr viel gebraucht ? jetzt, wo ich glaubte, daß er balde am Ziel steht, sehe ich ihn wieder einen Schritt thun, wo er wieder anfängt ... Es gehört sehr viel dazu, sich in der Kunst auszuzeichnen ...
Wieck nutzte die Gelegenheit, einen solch begabten Schüler unterrichten zu können und seine eigenen Unterrichtsmethoden herauszustreichen. Er versicherte Frau Schumann, daß er ihren Sohn in drei Jahren zu einem der größten jetzt lebenden Klavierspieler ausbilden könne. Dies sei allerdings nur möglich, wenn Robert sich seinen Bedingungen unterwerfe: täglicher Klavieruntericht und Theorie, einige Stunden täglich Etüden und Fingerübungen nach seinen Methoden.
Das rätselhafte Leiden
Begeistert zog Robert in das Wieck'sche Haus ein und ging auf alles ein, was von ihm verlangt wurde. Doch bald bemächtigte sich seiner ein Leiden, das sich als eine Lähmung eines Fingers in der rechten Hand herausstellte. Trotz aller möglicher Versuche, dies zu heilen, blieb er damit Zeit seines Lebens behaftet und mußte seine Pianistenlaufbahn aufgeben. Selbst im höchstem Maße besorgt, beruhigte er die Mutter: Komponieren kann ich ohne den Finger und als reisender Virtuose würde ich kaum glücklicher sein. Beim Phantasieren stört es mich nicht. Die Publikation seiner Kompositionen verstärkte die Beziehung zu dem Mädchen Clara. Von nun an würde sie diejenige sein, die seine Werke der Welt bekanntmachte.
Die beiden verliebten sich und glaubten naiverweise, der Vater würde
ihre Verbindung erlauben. Doch ganz im Gegenteil: Wieck drohte, Schumann
zu erschießen, falls dieser ihm je wieder vor die Augen träte.
Sofort plante er eine lange Tournee, die die beiden Liebenden trennen
sollte. Während der nächsten vier Jahre (bis zu Claras Volljährigkeit)
versuchte er alles Mögliche, Clara und Robert daran zu hindern,
sich zu sehen. Überall streute er Verleumdungen gegen beide aus.
Die infamsten sind wohl die gegen seine eigene Tochter. Vor den Konzerten
schrieb er Briefe an die Veranstalter und behauptete, sie spiele miserabel
und ruiniere überdies jeden Flügel!
In Sachsen war es notwendig, zur Heirat die Erlaubnis beider Eltern einzuholen. Robert war als Waise davon befreit, Clara holte sie schließlich per Gerichtbeschluß durch das Appellationsgericht ein!
Susanne Duch, Hans-Werner Klein

