Dokumentation

Fast Jurist, dann Komponist: Robert Schumann (1810-1856)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dokumentation: Clara Wieck (1819–1896)

 

Zum Star erzogen

 

Clara wurde am 13. September 1819 als zweites Kind des Ehepaares Friedrich Wieck und Marianne Tromlitz-Wieck geboren. Friedrich Wieck hatte Theologie studiert, gab diese jedoch nach seinem Studium auf und wurde, was die meisten Universitätsabsolventen jener Zeit wurden, die weder Geld noch Verbindungen hatten: Hauslehrer. Wann und wo Wieck sich seine Kenntnisse in musikalischen Dingen aneignete, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Jedenfalls gab er mit dreißig sein bisheriges Tätigkeitsfeld auf und ließ sich 1815 als Klavierlehrer und -händler in Leipzig nieder.


Leipzig war damals eine rege Handelsmetropole, in der zweimal jährlich Messen stattfanden. Es gab die Universität und einen soliden Mittelstand, der schon immer ein besonderes Verhältnis zur Musik pflegte. Nicht nur die Thomaskirche mit ihrer berühmten Kantorei, sondern auch die Konzerte im Gewandhaus belebten das Musikleben der Stadt.

 

Das Talent von der Mutter, vom Vater den Drill

 

Claras Mutter, Marianne Tromlitz, war eine außergewöhnlich begabte Musikerin. Als Sängerin trat sie fast wöchentlich in den Gewandhauskonzerten auf und gab wie ihr Mann Gesangs- und Klavierstunden. Zwischen Konzert- und Haushaltsverpflichtungen gebar sie in sieben Ehejahren fünf Kinder, ohne jedoch irgendeine ihrer Tätigkeiten deswegen zu unterbrechen. Friedrich Wieck nutzte jede Gelegenheit, um aus dem wachsenden Ruhm seiner Frau Kapital zu schlagen, und ihn sich selber zunnutze zu machen.
Nach der Geburt des fünften Kindes trennte sich Marianne von Friedrich, was damals für eine Frau sehr unüblich war und mit starker sozialer Mißbilligung verfolgt wurde. 
Nach sächsischem Recht gehörten die ersten drei Kinder dem Vater, sie waren sein Eigentum. Wieck erlaubte, daß das zweite Kind, Clara, bis zu seinem fünften Geburtstag bei seiner Mutter bleiben durfte, danach mußte sie ihm übergeben werden. 

 

Arme Clara, Superstar

 

Clara sollte nach dem Willen ihres Vaters eine große Virtuosin werden. Natürlich sollte dies unter seiner Anleitung geschehen, damit sie der Welt zeige, was er zu leisten imstande war. Und Clara kam uneingeschränkt seinen Erwartungen nach.

Das Kind bekam vormittags und nachmittags Klavierunterricht, lernte Lesen, Schreiben, und die für eine Karriere erforderlichen Sprachen Englisch und Französisch, Partiturlesen und Instrumentierung, bekam Geigenstunden und Gesangsunterricht, studierte Kontrapunkt und Harmonielehre, und wurde eigens nach Dresden geschickt, um Orchestrierung zu lernen. Sobald sie sechs Jahre alt war, ging Wieck mit ihr in ausnahmlos jedes Konzert und jede Oper, die in Leipzig aufgeführt wurden.

Noch vor ihrem neunten Geburtstag war Clara Mitglied eines musikalischen Zirkels, der sich regelmäßig abends traf, um zusammen zu musizieren. Wieck hütete sich davor, seine Tochter zu früh auftreten zu lassen, aber im privaten Kreis, im Spiel mit anderen Berufsmusikern, sollte ihr Name schon bekannt werden. Auch versäumte er es nicht, nach ihrem ersten öffentlichen Auftreten in Dresden auch für die Erwähnung seines eigenen Namens zu sorgen, wie uns ein Blick in die zeitgenössische Presse zeigt: „...war es uns noch besonders angenehm, die erst neunjährige, mit vielen Musikanlagen ausgestattete Clara Wiek.. Variationen ... mit allgemeinem und verdientem Beifalle vortragen zu hören. Unter der Leitung ihres musikerfahrenen, die Kunst des Pianospiels wohl verstehenden und dafür mit Liebe sehr thätigen Vaters, dürfen wir von ihr die größten Hoffnungen hegen...“

 

Konzertstreß schon mit Zehn

 

Der überaus ermutigende Beginn von Claras Karriere spornte Wiecks Eifer noch mehr an. Überzeugt davon, daß Clara reif für die Musikwelt sei, beschloß er bald danach, seine zweite Frau (die gerade schwanger war), die anderen Kinder, seine Schüler und sein Geschäft sich selbst zu überlassen und eine große Konzertreise vorzubereiten. 


Tag und Nacht (denn Wieck war nicht bereit, Geld für zusätzliche Übernachtungen auszugeben) holperten sie mit einer Kutsche durch Thüringen nach Weimar, Erfurt, Arnstadt, Gotha, Kassel, Frankfurt, Darmstadt, Mainz und nach Paris. In jeder Stadt gab Clara Konzerte, studierte unterwegs neue Stücke ein, komponierte und absolvierte weiterhin ihr Pensum in Musiktheorie und den Sprachen. Wohlgemerkt: das Kind war gerade erst zehn Jahre alt! Von September bis Mai waren sie unterwegs.

 

Das Geld, das Clara bei Konzerten verdiente, wurde von Wieck eingenommen und gegen ihren Unterricht verrechnet. Wieck vertrat die Ansicht, daß er als Vater, Lehrer und Konzertbetreuer Anspruch auf die Einnahmen habe - auch später noch, als Clara (mittlerweile volljährig) ausbezahlt werden wollte. Darüberhinaus machte er ihr sogar den Vorwurf, daß er durch seine Abwesenheit während ihrer Reisen die Ausbildung der anderen Kinder habe vernachlässigen müssen, und sie folglich dafür aufzukommen habe, desgleichen sie ihm auch Geld für seine Klavierstunden schulde. Selbst als Clara sich Jahre später genötigt sah, Klage gegen ihren Vater einzureichen, gab er das Geld nicht heraus.